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MMC Kombi-Kühler: Maßanzüge aus Aluminium

Interview von Stefan Holtkoetter, Unternehmenskommunikation bei KTR

Ende der 2000er-Jahre erweiterte KTR sein Kühlerprogramm um Mehrkreiskühler für den Einsatz in mobilen Arbeitsmaschinen; die neue Serie bekam den Namen „Kombi-Kühler MMC“. Den jüngsten Meilenstein in diesem Produktsegment setzte das Unternehmen im Oktober 2018, als man das neue Kühlerwerk in China in Betrieb nahm. Darüber und über die maßgeschneiderten Kühler von KTR sprachen wir mit Produktmanager Joachim Grunwald.

Herr Grunwald, seit wann sind Sie bei KTR und in welcher Funktion?

Mein Start bei KTR war im November 2007 in der Entwicklung und dem Vertrieb von Öl-Luftkühlern. Seit 2011 bin ich Produktmanager für die MMC Kombi-Kühler. Davor war ich über 13 Jahre in gleicher Position bei einem der weltweit führenden Hersteller von Wärmetauschern tätig. 

Kontakt

Produktmanager für MMC Kühlsysteme

Joachim Grunwald
+ 49 5971 798+464
j.grunwald@ktr.com

Wie kam es dazu, dass das Unternehmen Kühler ins Programm aufgenommen hat?

KTR fertigt schon seit den 1970er-Jahren Zubehörteile für die Hydraulikindustrie, das Thema „kühlen“ war dabei immer präsent. Schließlich begann man sich im Haus mit der Leckölkühlung von Hydraulikpumpen zu beschäftigen und nahm Ende der 1990er-Jahren den ersten Öl-Wasserkühler für die Stationärhydraulik ins Programm auf; Mitte der 2000er-Jahre kamen Öl-Luftkühler dazu. Aufgrund meiner Erfahrungen auf dem Gebiet der Kühlung von mobilen Arbeitsmaschinen, erweiterten wir unser Produktangebot um Mehrkreiskühler. Dabei trennten wir die beiden Bereiche: Produktmanager für die Öl-Wasserkühler und Öl-Luftkühler ist mein Kollege Christoph Bettmer aus dem Team „Core Business Hydraulik“, während ich mit meiner MMC-Serie in der Unit „Engineered Business“ beheimatet bin.

Wofür steht „MMC“?

Die Abkürzung steht für „Multi Medium Cooler“ und bedeutet, dass in einem Kühlgehäuse unterschiedliche Medien wie Öl, Wasser, Kraftstoff oder auch Luft gekühlt werden können.

In welchen Fällen kommt ein MMC Kombi-Kühler zum Einsatz?

Nehmen wir zum Beispiel eine Baumaschine: Hier erfolgt der Antrieb in der Regel direkt vom Verbrennungsmotor. Diese Aggregate sind so hoch entwickelt, dass ein Kühler mit an Bord muss, um das Kühlwasser zu temperieren. Mittlerweile sind viele Motoren aufgeladen, so dass auch eine Ladeluftkühlung notwendig ist; und wenn der Motor überdies eine Hydraulik antreibt, muss ggf. auch noch das Öl gekühlt werden. Für diesen Anwendungsfall eignet sich ein Kombi-Kühler mit nur einem Lüfterantrieb als Kompaktlösung am besten. Hört sich einfach an, bedeutet für uns aber eine intensive Abstimmung mit dem Kunden.

Wie darf man das verstehen?

Bei jedem MMC-Kühler handelt es sich um eine Maßanfertigung – entwickelt für einen ganz speziellen Anwendungsfall, für eine ganz bestimmte Maschine. Der Kunde gibt dabei die Parameter vor: wie viel Bauraum zur Verfügung steht, wie der Lüfterantrieb zu erfolgen hat, welche Kühlleistung benötigt wird, wie schwer der Kühler sein darf usw. Jeder Einsatzfall ist anders und muss individuell betrachtet werden. Daher handelt es sich bei der Projektierung eines Kombi-Kühlers um eine sehr komplexe Angelegenheit.

Und wie kommen Sie dann zu einem Ergebnis? 

Bei der Dimensionierung der Kühlerkomponenten nutzen wir unter anderem die Simulationssoftware „KULI“, mit der wir die möglichen Lösungen durchrechnen können. Zudem nutzen wir eigene Simulationstools, die wir mit unseren IT-Spezialisten entwickelt haben. Mindestens genauso wichtig ist hier aber auch das Know-how der verantwortlichen Konstrukteure. Schlussendlich ist es unsere Aufgabe, eine definierte Kühlleistung für einen bestimmten Bauraum bereitzustellen. Hier arbeiten wir mit verschiedenen Lösungswegen wie Lamellenform, Abmessungen, Lüfter, Antrieb usw.

Der Kunde kann einen MMC-Kühler also nicht einfach aus dem Katalog auswählen?

Nein. Tatsächlich müssen wir uns bei jeder Kundenanfrage die einzelnen Anforderungen und Spezifikationen anschauen und Schritt für Schritt durchgehen. Das Ergebnis sieht dann immer anders aus. Das ist ähnlich wie bei einem PKW, bei dem für jedes Modell eine andere Lösung realisiert wird. Daher gibt es von unseren MMC-Kühlern keinen Katalog mit Tabellen und den Angaben zu Abmessungen, Bauart und Leistungswerten.

Können Sie uns ein aktuelles Anwendungsbeispiel nennen?

Gerne. Der Motorenhersteller Hatz liefert seine H-Serie auch als einbaufertige Open Power Unit. Für die Kühlung von Ladeluft und Motorkühlwasser kommt ein Zweikreiskühler von uns zum Einsatz. Neben der ausreichenden Kühlleistung in jedem denkbaren Einsatzfall waren für Hatz auch die Abmessungen und das Gewicht entscheidende Faktoren bei der Projektierung. Gerade in mobilen Anwendungen ist der Bauraum begrenzt, hier zählt jeder Zentimeter; aber auch das Gewicht ist ein zentrales Thema. Deshalb ist die Leistungsdichte des Kühlers hoch und die Kastenmaße der OPU konnten auf 699x935x807 mm begrenzt werden. Seitlich am Motor angebracht ist zudem ein separater Ölkühler von gerade einmal 150x150x70 mm, der mit dem Motorkühlwasser das Motoröl kühlt.

Zur Kühlung wird ein Zweikreis-Kombikühler verwendet, der in Zusammenarbeit mit Hatz dimensioniert wurde.

Welche Anwendungsgebiete gibt es noch?

Die Landmaschinen zum Beispiel sind den Baumaschinen artverwandt. Auch hier finden wir Dieselmotoren mit oder ohne Turbolader, Hydraulikkreisläufe und Getriebe – alles Komponenten, die einen Mehrkreiskühler erforderlich machen. Wir sprechen aber auch Hersteller von Dieselgeneratoren und Kompressoren an, da auch dort ähnlich gelagerte Anforderungen bestehen.

Würden Sie uns bitte noch etwas über das neue Kühlerwerk von KTR in China erzählen

Die neue Produktionshalle ist 9.000 m2 groß und steht am KTR-Standort in Jiaxing, rund 100 Kilometer südwestlich von Shanghai entfernt. Wir haben das Werk im Oktober 2018 in Betrieb genommen und seit Juni 2019 produzieren wir Kühler in Serie. Langfristig sollen dort rund 200 Tonnen Aluminium pro Monat zu Kühlern verarbeitet werden. Dafür hat das Unternehmen in einen hochmodernen Maschinenpark investiert; mit dem Ergebnis, dass wir selbst Kleinserien hoch automatisiert und auf gleichbleibend hohem Qualitätsniveau fertigen können. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass wir mit dem neuen Kühlerwerk auch die strengen Umweltauflagen der chinesischen Regierung in vollem Umfang erfüllen, zum Beispiel beim Abwasser und der Luftverschmutzung.

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Haben Sie sich schon einen Arbeitsplatz in China eingerichtet?

Nein, das ist nicht notwendig. Das Engineering der Kühler erfolgt nach wie vor am KTR-Stammsitz in Rheine – das gilt für die Sonderanfertigungen, sprich Kombi-Kühler, ebenso wie für die Standardlösungen, sprich Öl-Luftkühler. Je nach Ausführung und Lieferort erfolgt die Endmontage der Kühler entweder in Jiaxing, bei uns in Rheine oder an den KTR-Standorten in Brasilien und den USA. Um das alles zu bewerkstelligen, arbeiten wir eng mit unseren Kollegen in den Tochtergesellschaften zusammen.

Letzte Frage: Wie kommt man am besten mit Ihnen in Kontakt?

Ich bin erreichbar via Mail unter j.grunwald@ktr.com oder telefonisch unter +49 5971 798464. Wer mag, kann mich auch bei LinkedIn erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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